Mit dem Netz fängt man keine Schmetterlinge
Lacrosse an der Hohen Eiche
Degerloch. Noch steckt die Sportart Lacrosse in Deutschland in den Kinderschuhen. Seit gut zehn Jahren gibt es den kanadischen Nationalsport hier zu Lande, seit nunmehr drei Jahren existiert der einzige württembergische Verein, Stuttgart Lacrosse. Die etwa 25 Aktiven haben jetzt auf der Hohen Eiche ein neues Zuhause gefunden.
Von Harald Landwehr
So mancher Passant, der am vergangenen Samstag beim Nachmittagsspaziergang am Gelände des HTC Stuttgarter Kickers vorbeigekommen ist, dürfte sich verwundert die Augen gerieben haben. Hockey, wie sonst gemeinhin an diesem Ort üblich, war das jedenfalls nicht, was da auf dem Kunstrasenplatz an der Hohen Eiche von etwa zwei Dutzend Zuschauern interessiert verfolgt wurde. Was aber war es dann, was 20 junge Männer in kurzen Hosen, mit Gesichtsmasken und einem Handwerkszeug betrieben, das den Laien eher an ein Netz für den Fang von Schmetterlingen als an ein Sportgerät erinnert?
Die Antwort ist schnell gegeben: Der Degerlocher Hockey- und Tennisclub hat vor wenigen Monaten neue Untermieter bekommen, den Verein Stuttgart Lacrosse, der bis zum vergangenen Herbst seine Heimat noch auf dem Vaihinger Universitäts-Sportgelände hatte. Am Wochenende empfingen die Wahl-Degerlocher Gastmannschaften aus Bamberg und München zum ersten Rückrundenspieltag in der Süddeutschen Lacrosse-Liga.
“Diese neue Heimat beim HTC ist ideal für uns. Hier können wir endlich eine vernünftige Vereinsarbeit beginnen und auch Kinder für unsere Sportart begeistern”, sagt Eric Heintze, der Mannschaftskapitän von Stuttgart Lacrosse. Eine Damen- und eine Herrenmannschaft hat der Club, der aus einem Angebot im Universitätssport entstanden ist. Erst langsam beginnen die Betreiber der urkanadischen Sportart, einen richtigen Stamm an Akteuren zu entwickeln, denn bisher war die Fluktuation zu groß. “Es ist nicht einfach, mit einer Mannschaft zu arbeiten, in denen einige schon seit drei Jahren dabei sind, andere erst seit drei Wochen”, sagt Rob Bartruff, der Trainer des Stuttgarter Teams.
Bartruff selbst hat in seiner Heimat Kansas an der Universität Lacrosse gespielt, später war er in Frankfurt drei Jahre lang einer der Pioniere, die versucht haben, die in Europa weit gehend unbekannte Sportart hier zu Lande zu etablieren. “Technisch fehlen den deutschen Jungs gegenüber meiner Heimat noch Jahrhunderte. Sie sind allerdings mit viel Eifer dabei, und es macht Spaß, mit ihnen zu arbeiten”, sagt Bartruff.
Gut 25 Spieler hat der Amerikaner derzeit bei Stuttgart Lacrosse unter seinen Fittichen. In der Süddeutschen Lacrosse-Liga (SDLL) hat sich das Team mit einem 12:0 gegen Bamberg und einem 8:2 gegen die favorisierten Münchener am Wochenende auf den dritten Platz nach vorn gearbeitet. Die ersten beiden Mannschaften aus dem Süden erreichen die Play-off-Runde zur deutschen Meisterschaft. “Wir haben jetzt ganz gute Chancen, einen der ersten beiden Plätze zu erreichen, auch wenn es in der Endrunde gegen die Teams aus dem Norden sehr schwer werden würde”, sagt Eric Heintze.
Der Kapitän der Stuttgarter Lacrosse-Mannschaft hat seine Sportart vor einigen Jahren bei einem Aufenthalt in England kennen gelernt. Vor kurzem hat Heintze sogar an einem Lehrgang der deutschen Nationalmannschaft teilgenommen. Ein Großteil seiner Mannschaftskollegen sind Studenten, das Durchschnittsalter von Stuttgart Lacrosse liegt knapp über 20 Jahren. “Wir haben eine gute Stimmung im Team. Da hilft jeder dem anderen, auch was das Erlernen von Regeln und Taktik angeht”, sagt Mittelfeldspieler Florian Dolde.
Die Anweisungen von Trainer Bartruff kommen allesamt auf Englisch. “Good save Doug”, lobt der Trainer beispielsweise den Torhüter Doug Oelberg, einen von zwei Amerikanern im Stuttgarter Team. Ebenso oft wie er seine Jungs lobt, muss Bartruff aber auch Korrekturen vornehmen. “Das technische Niveau ist noch steigerungsfähig. Einige der Boys haben große Probleme, den Ball regelmäßig zu fangen”, sagt Bartruff und lacht.
Das Fangen des Balles mit dem kleinen Netz und das Weiterpassen zum Mitspieler, aber auch der Torschuss sind keine leichten Übungen. Die Herren trainieren montags (19 Uhr), mittwochs (21.30 Uhr) und donnerstags (18 Uhr) an der Hohen Eiche, die Damen montags (19 Uhr) und freitags (18 Uhr). Neue Mitspieler, auch Anfänger, sind willkommen. “Im nächsten Jahr wollen wir eine zweite Mannschaft zum Spielbetrieb melden. Dazu brauchen wir noch einige Interessierte”, sagt Kapitän Eric Heintze.