Die Halbzeitansprache

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Vor drei Monaten, am 23. Juli 2007 war mein erster Arbeitstag. Es ist mal Zeit, ein mehr oder weniger großes Fazit dieser ersten Hälfte zu ziehen. Wobei ich es eigentlich doch eher in Drittel einteilen würde. Warum? Wen es interessiert, weiterlesen…

imageDie ersten knapp 5 Wochen habe ich noch mit Florian und Daniel (meinen Vorgängern) verbracht. Gewohnt haben wir in Decatur bei Gursel, mit dem ich mich eigentlich echt gut verstanden habe – nur haben mich einfach zu viele Sachen gestört, vor allem dass ich dafür, dass ich nicht mal ein Zimmer oder Bett hatte, fast die volle Miete zahlen sollte. Mit Daniel und Flo hat es super geklappt, wir haben natürlich viel Zeit in unserem eigenen kleinen Privatkino verbracht -> Prison Break Staffel 1 und 2 wurden in knapp 10 Tagen durchgemacht. Vom Praktikum habe ich anfangs noch mit Daniel zusammenprogrammiert, ZK, also viele Spielereien und ich war schon immer ein Fan von "Extreme Programming" – also zu zweit am PC programmieren. Ich habe dann noch weiter am "Flight Inventory" programmiert (J2EE und ZK Framework) bis Flo abgereist ist.

image Danach beginnt so gesehen das zweite Drittel. Ich bin nach Fairburn gezogen zu Marc (Amerik. Lufthansa Mitarbeiter), Patrick (LH Praktikant) und seiner Freundin Sina. Hab mich von Anfang an gut mit Ihnen verstanden und mein Zimmer hier war/ist auch super, Bilder habe ich ja gezeigt. Zusammen mit Patrick zur Arbeit gefahren, was anfangs richtig abwechselnd geklappt hat, später nicht mehr. Lag aber ganz und gar nicht an Patrick sondern nur an meinen abendlichen Ausflügen und meiner Unfähigkeit, früh aufzustehen. Also bin ich natürlich selber schuld und oft vier bis fünf mal die Woche selbst zur Arbeit gefahren. Was aber nicht so schlimm ist, da der Flughafen nur etwa 10 Meilen nördlich von hier ist.
Jedoch habe ich zusätzlich abends einfach öfters was in Midtown und Buckhead gemacht und nen Fahrtweg von knapp 50 km (one way) am Abend ist selbst in USA schon etwas üppig. Natürlich habe ich das trotzdem öfters gemacht, fast jeden Abend. Am Wochenende habe ich die Gastfreundschaft bei Simon in der Ethel Street genossen – was auch immer ein Riesenspaß war. (Werde ich sicherlich in Zukunft auch weiter machen). Aber ich habe einfach gemerkt, dass ich viele Leute von der Georgia Tech kennengelernt habe, mich viel im Piedmont Park aufhalte und generell viel in Midtown mache. Also war klar – ich suche nach einer Wohnung in Midtown/Home Park. (Also einfach stadtnäher, für alle nicht Atlantaner).
Vom Praktikum her war es eine Zwischenphase. Ich habe mich mit dem Projekt rumgeschlagen, dass ich von Florian übernommen habe (Station Manager), programmiert in JSP, Hibernate und Struts. Viel Krampf und Kampf. Viel zu viele Bugs und kein Spaß daran – es war einfach ein Fass ohne Boden. Ich habe mich schließlich entschlossen, das unfertige Tool neu in PHP zu programmieren… Und mir war klar, dass ich auf viel "Nase rümpfen" stoßen werde. PHP, das verbinden natürlich viele mit schlechter Performance und undurchschaubarer Programmierung. Ich selbst auch – mir war und ist es aber egal. Warum?
Erstens: Ich wollte und will etwas fertig stellen. Die vorherige Lösung wurde über mehr als 1 Jahr entwickelt und nicht fertig gestellt, obwohl von den Funktionen nicht viel drin war. Ich hatte und habe keine Lust darauf, ein bisschen was gerade zu biegen und wieder nichts fertig zu stellen.
Zweitens: Ich hatte keine Lust mehr auf Java und tomcat, ewiges neukompilieren usw.
Drittens: Mein Boss Kevin hat öfters spontane Ideen und Änderungswünsche, bei denen ich mir sicher war, dass diese mich in JSP und Co zur Weissglut gebracht hätten. Klassen umschreiben, Hibernate Files ändern, JSP umwerfen.
Ich habe mich für OO PHP entschieden und bin froh darüber, weil ich einfach mehr Spaß an der Arbeit habe. Nachteil: Der Lerneffekt ist geringer.Ich habe jedoch immer wieder Kontakt den bestehenden Java Anwendungen und werde sicherlich auch in Zukunft weiter damit was machen und arbeiten.

Okay, und nun beginnt also der nächste Teil. Drittel, Halbzeit – whatever. Ich werde nächste Woche umziehen, zu Fabian, auch Praktikant bei Lufthansa. Ich kann dort sehr günstig wohnen, hab aber auch nicht das Luxuszimmer, das ich hier habe. (Was ich aber sowieso selten nutze, da ich selten hier bin.) Ich kann mit Fabian, Sebastian und Simon fahren, also muss ich theoretisch nur jedes vierte Mal selbst zur Arbeit fahren. Ich wohne etwa 10 min vom Piedmont Park entfernt, wo ich definitiv am liebsten jogge oder ab und zu Beachvolleyball spiele. Es stehe noch einige interessante Events an, natürlich muss ich langsam auch schon an Dezember denken.. Mein Geburtstag und Weihnachten -was wünsche ich mir denn, schließlich bekomme ich ja tausend Päckchen aus Deutschland ;-) – und natürlich Sylvester.

Nebenher beginnt natürlich schon die Planung für meinen Mittelamerikatrip mit Mario und Scala Ende Januar. (Mehr darüber bald)

STA_0219Okay, aber wo bleibt das Fazit? Die "Bottom Line", wie die Amis sagen:

Mir geht es gut hier in Atlanta. Das Praktikum selbst hat seine Vor und Nachteile, sowie es das Leben hier hat. Ich erlebe viel, lerne viele nette Leute kennen und genieße die Zeit hier. Es gibt einfach so viele Möglichkeiten und das Leben hier ist einfach "einfach". Nach der Arbeit muss man sich nicht um Präsentationen und Klausuren kümmern, auf dem Highway kann man rechts überholen, Getränke kosten selbst an Tankstellen gleich viel wie im Supermarkt und Geld bekommt man auch im Auto per Drive-In Bankomat. "Convenient" ist dazu mein Lieblingswort, er beschreibt nen Großteil der amerikanischen Lebenskultur. Es ist interessant, wie sehr man sich daran gewöhnen kann und wie man mal über eine Parklücke flucht, die "nur" 2,40 m breit ist.

Eine große Befürchtung von mir war, dass ich nach meinem Sommerjob 2005 nicht mehr so viel neues hier entdecken kann. Falsch. Jackman, Maine und Atlanta, Georgia unterscheiden sich so krass wie die Einwohnerzahlen (300 vs. 430 000). In Jackman war die nächste Ampel 75 Meilen südlich, hier gibt es (leider) ein paar mehr.

Und ein Stückchen Heimat habe ich ja von meinen Eltern bekommen – Spätzle und Maggi Fix Produkte lassen mich sicher nicht verhungern. Trotzdem freue ich mich darauf, im Februar 2008 wieder selbstgemachte Spätzle im guten alten Blaubeuren zu genießen… 

4 Comments (+add yours?)

  1. Basti
    Oct 24, 2007 @ 10:13:17

    Hey, Drive-In-Bankautomaten gibt’s hier aber auch :-)

  2. Dirk
    Oct 24, 2007 @ 12:42:53

    schöner post, mehr davon!
    ja ich sollet wirklich auch ne neue wohnung suchen. mit nem pärchen wohnen ist so langweilig.

    “Nach der Arbeit muss man sich nicht um Präsentationen und Klausuren kümmern”
    auch wenn ich sagen muss, dass ich als student wirklich sehr viel freizeit hatte (kommt halt immer auf die prioritäten an), so muss ich sagen, dass ich das auch sehr genieße wirklich GAR NICHTS machen zu MÜSSEN.

    wie siehts aus mit homesick? also manchmal (besonders dann, wenn ich fotos von freunden auf parties sehe…) fühle ich mich schon etwas traurig.
    liegt aber vielleicht auch daran, dass ich nicht das geheimrezept (spätzle und maggi) im haus habe, um mich wieder zu “heilen”…

    liebe grüße

  3. Michael
    Oct 24, 2007 @ 14:42:38

    @Basti: Ja, aber gibts in Deutschland auch Double Drive-In Fast Food, Drive-In Beer stops oder Drive-In Apotheken? :-)

    @Dirk: Hmm, homesick? Nicht wirklich. Die Zeit hier vergeht einfach zu schnell und in “nur” 4 Monaten bin ich schon wieder in Germany…

  4. Basti
    Oct 24, 2007 @ 18:53:33

    Drive-In Beer Stops ist super, das kannt ich noch nicht :-D Ne das hab ich hier noch nicht gesehen *g*